Der Winter kündigt sein Ende an, der Frühling sein Kommen. Und mit dem sich nähernden Frühlingserwachen erwacht in vielen Pferdebesitzern der Wunsch, mit Horsemanship zu beginnen. Der Boden ist nicht mehr gefroren und los geht's. Schnell ist ein Knotenhalfter gekauft, ein Seil und ein Stick. Von Freunden/Bekannten werden die ersten Schritte gezeigt und schon macht man "Horsemanship".
Die Ironie in den ersten Sätzen ist nicht zu überlesen. Aber nicht, weil es kein erstrebenswertes Ziel ist, ein guter Partner für sein Pferd werden zu wollen, sondern weil der Weg, den manche gehen, ein Irrweg sein kann. Gerüstet mit Halfter, Seil und Stick und angelesenen Übungen, die sich über Wochen und Monate hinziehen, verliert man Vertrauen, Achtung und Respekt des Pferdes. Wir werden ihm damit kein guter Parnter, kein Alpha, kein sozialer Anker, bei dem es sich sicher fühlt. Denn im Grunde genommen geht es nicht um einzelne Übungen, die klappen müssen, um uneingeschränkten Gehorsam des Pferdes oder Dominanz des Menschen, sondern um "WAHRE EINHEIT".
In seinem Buch "True Unity" beschreibt Tom Dorrance es mit folgenden Worten:
"Wahre Einheit und Kommunikation zwischen dem Pferd und dem Menschen ist etwas, was ganz wenigen angeboren ist. Man muss es erlenen. Es muss ganz aus dem Inneren einer Person kommen und ganz aus dem Inneren des Pferdes."
Und die ersten Schritte zu dieser wahren Einheit beginnen am Boden. Am Boden, und NUR am Boden, kann ich den Grundstein für Vertrauen, Respekt und Harmonie legen. Doch auch sehr schnell kann dieses neu erworbene Vertrauen wieder zerstört werden und sogar in Disrespekt umschlagen, nämlich genau dann, wenn wir immer und immer wieder die gleichen Dinge tun und uns nicht weiterentwickeln! Darum möchte ich Euch motivieren, nicht stehen zu bleiben, nicht einfach die "sieben Spiele" abzuspulen, sondern Euch mit der Komplexität des gesamten Programmes zu befassen. Dafür gibt es unendlich viele Möglichkeiten.
Ein guter Horseman zu sein bedeutet doch letztendlich, die komplexe Verantwortung in allen Bereichen zum Wohle des Pferdes zu übernehmen. Und dazu gehört natürlich unabdingbar "die Sprache der Pferde" zu lernen, sonst ist und bleibt eine Kommunikation unmöglich! Es gibt keine allgemeinen Lösungen, keine Patentrezepte, keine starren Muster. Ein guter Horseman zu werden, ist ein lebenslanger Prozess, der Zeit, Engagement und einen starken Willen als Grundlage braucht.
Pat Parelli hat die 10 Qualitäten eines Horseman wie folgt definiert:
1. Herzblut
2. Respekt
3. Impulsion
4. Flexion
5. Einstellung und Fokus (positiv, progressiv, natürlich)
6. Gefühl
7. Timing
8. Balance
9. Savvy (Wissen und Können)
10. Erfahrung
Bleibt nicht stehen, entwickelt Euch weiter. Seid progressiv!
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Euch nur sagen:
FÜHLEN IST MANCHMAL BESSER ALS DENKEN!!!!
So könnt Ihr wirklich zu einem guten Partner für Euer Pferd werden und das Wissen, welches Ihr erworben habt, auch für alle anderen Pferde anwenden.
Zitat von Tom Dorrance (Quelle: Horsepages)
Die Menschen haben es eilig, ihr Ziel zu erreichen", sagt Dorrance. "Sie wollen die Antwort auf ihre Frage sofort; eine oberflächliche Antwort wäre ihnen genug. Aber ich kann ihre Frage nicht beantworten, ohne über die kleinen Dinge zu reden, die ihre Frage bedingen." Er gibt Hinweise, keine Lösung. Er will die Menschen zum Denken bringen, dass sie die Lösung selbst finden. "Vielleicht ist es dann eine Erfahrung von Wert und Dauer."
In diesem Sinne:
Keep it natural!
Dienstag, 27. März 2012
Dienstag, 6. September 2011
Schülerportrait Helga und Scally
Mit der ärztlichen Diagnose „Morbus Bechterew“ und der damit verbundenen Gewissheit, dass ich stets etwas für die Beweglichkeit meiner Wirbelsäule und damit für meine Rückenmuskulatur tun musste, lag auf der Hand, dass das Reiten für mich ein ideales Training bleiben sollte. Deshalb entschloss ich mich, nachdem mein mir über viele Jahre ans Herz gewachsenes Reitbeteiligungspferd Kitty, eine westerngerittene Quarterhorsestute, „in Rente“ geschickt wurde, und auch wenn ich inzwischen die 50 überschritten hatte, ein eigenes Pferd zu kaufen. Nach mehreren mehr oder weniger enttäuschenden Proberitten, bei denen ich natürlich u.a. auf weiche Gänge und gute Händelbarkeit achtete, fiel meine Wahl auf eine 11jährige Quarterstute, die bis dahin als Zuchtstute in einem erstklassig geführten Westernstall ihre Jahre verbracht hatte. Scarlett Rey Lena, eine typische elegante Vertreterin ihrer Rasse, wirkte gut erzogen, problemlos reitbar und recht gelassen. Wie sich aber sehr bald herausstellte, verwandelte der Stallwechsel sie in eine nervöse, sehr schnell aufgebracht wirkende und bei sie beängstigenden Situationen starrsinnige Verweigerung zeigende Stute. Natürlich war der Wechsel vom rundum versorgten Zuchtstutendasein mit separatem Stall zur Offenstallhaltung mit
rassegemischter Herde eine enorme Anforderung an ihre Nerven, und ich, als völlig neue Bezugsperson, konnte anfangs recht wenig tun, um ihr wieder Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Aus dieser für beide Seiten beunruhigenden Situation heraus, begann ich mich für eine Trainerin, die auf unserem Hof mit einigen Pferden eine mir bis dato weitgehend unbekannte Herangehensweise an Bodenarbeit praktizierte, zu interessieren. Aida, die sich als Parelli-Instruktorin selber in der weiterführenden Ausbildung befand, zeigte bei der Arbeit mit den Pferden eine sensible, vertrauensvoll-spielerische aber durchaus konsequente Umgangsweise und da wusste ich plötzlich, dass dieses Trainingsprogramm genau das war, was mich und mein Pferd zusammenführen konnte. Und so begann unter der Prämisse „ Respekt und Vertrauen zwischen Mensch und Pferd“ meine und Scallys Ausbildung nach den Schritten des Parelli-Programms. Aida, die inzwischen längst Parelli-2*Instruktorin ist, führte uns mit jeder Stunde näher zusammen, zumal sich binnen kürzester Zeit herausstellte, dass sowohl mein Pferd als auch ich sich als freudig lernende und jede Lektion eifrig umsetzende „Schülerinnen“ erwiesen.
rassegemischter Herde eine enorme Anforderung an ihre Nerven, und ich, als völlig neue Bezugsperson, konnte anfangs recht wenig tun, um ihr wieder Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Aus dieser für beide Seiten beunruhigenden Situation heraus, begann ich mich für eine Trainerin, die auf unserem Hof mit einigen Pferden eine mir bis dato weitgehend unbekannte Herangehensweise an Bodenarbeit praktizierte, zu interessieren. Aida, die sich als Parelli-Instruktorin selber in der weiterführenden Ausbildung befand, zeigte bei der Arbeit mit den Pferden eine sensible, vertrauensvoll-spielerische aber durchaus konsequente Umgangsweise und da wusste ich plötzlich, dass dieses Trainingsprogramm genau das war, was mich und mein Pferd zusammenführen konnte. Und so begann unter der Prämisse „ Respekt und Vertrauen zwischen Mensch und Pferd“ meine und Scallys Ausbildung nach den Schritten des Parelli-Programms. Aida, die inzwischen längst Parelli-2*Instruktorin ist, führte uns mit jeder Stunde näher zusammen, zumal sich binnen kürzester Zeit herausstellte, dass sowohl mein Pferd als auch ich sich als freudig lernende und jede Lektion eifrig umsetzende „Schülerinnen“ erwiesen.Inzwischen haben wir gemeinsam erfolgreich Level 1 und Level 2 erreicht. Nach 3 Jahren kann ich voller Stolz und Dankbarkeit meinem Pferd und meiner Lehrerin gegenüber sagen: Cally und ich sind ein erstklassig zusammenpassendes Team geworden. Bei der Bodenarbeit, beim Verladen, beim Reiten in der Bahn oder im Gelände, wo selbst große Pfützen ihren Schrecken verloren haben, absolvieren wir jede Situation mit Freude aneinander und Vertrauen zueinander. Ihre mich anfangs so beunruhigende Aufgeregtheit ist einer sich auf meine Hilfen verlassenden, neugierigen und Lernbereitschaft zeigenden Zugewandtheit gewichen. Deshalb noch einmal mein herzlicher Dank an Aida, für deren stetes Engagement, die mir auch heute noch Neues zeigt, Altes trainiert und korrigiert, und uns beiden hoffentlich noch lange mit ihren Fähigkeiten zur Seite stehen wird.
Samstag, 27. August 2011
Können Pferde lieben?
Wer wünscht sich das nicht? Wer hat nicht schon einmal den Satz gehört: "Mein Pferd liebt mich ganz sicher". Und klar, wir lieben unsere Pferde und hätten es gerne, wenn wir mit Bestimmtheit an diese 4 Worte glauben könnten: MEIN PFERD LIEBT MICH.
Um es vorweg zu nehmen: ich glaube es nicht. Aber ich glaube, dass sie eine tiefe Bindung zu uns eingehen können, dass sie Respekt und Vertrauen haben können uns als "Alpha" akzeptieren. Doch wie auch in jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist es wichtig, ihnen viel Raum zu lassen, um sich entfalten zu können, kein Dominanzhammel zu sein und auf ihre Bedürfnisse einzugehen - jedoch mit klaren Regeln und vor allem Grenzen. Das ist, meiner Meinung nach, das Höchste, was wir erwarten können und das schönste Geschenk, dass ein Pferd uns geben kann.
Wie aber sieht es bei Pferden untereinander aus? Ich war mir nicht sicher....
Ich konnte zwei Tage nicht zum Stall fahren, da es Sam wirklich sehr schlecht geht durch die Schwüle. Und heute nachmittag bekam ich einen Anruf: Asmars Stute wurde verkauft und abgeholt. Sie standen Tag und Nacht zusammen, haben zusammen gefressen, sind zusammen zum Wasser gelaufen und wenn ich Asmar auf die Weide gebracht habe, war die Begrüßung so, als ob sie seit Wochen getrennt gewesen wären. Aufgeregt trabt er nun seit Stunden am Zaun entlang, wiehert sich die Kehle wund. Die Stallkollegin, die mich anrief sagte mir, dass man ihm förmlich ansieht, wie sehr er leidet. Seine Stute ist nicht mehr da, er kann nicht verstehen, warum nicht. Er hat sich von der Herde isoliert. Natürlich leide ich mit ihm, aber ich weiß, helfen kann ich ihm nicht. Es ist eine Erfahrung, die sicher viele Pferde mitmachen müssen. Das eigene Pferd so leiden zu wissen, ist natürlich besonders schmerzhaft. Zumal es sein zweiter Trennungsschmerz innerhalb weniger Monate ist. Zu Beginn des Jahres ist sein Vollbruder, mit dem er 10 Jahre gemeinsam verbracht hat, auf einen anderen Hof gezogen....
Donnerstag, 11. August 2011
Für Dich
Vor genau 12 Jahren...
Die Jahre vergingen wie im Flug, doch heute zieht jedes Jahr mit Dir in Zeitlupe an mir vorbei. Es sind so viele Erinnerungen... Ich mag den Geruch Deines Fells, Deine Farbe, den Geruch Deiner Nüstern, wenn Du Lackritzbonbons bekommen hast. Ich liebe die Narbe auf meinem Oberschenkel, die Du mir verpasst hast, als Du gerade mal 11 Monate alt warst. Ich hatte gerade mein erstes Seminar hinter mir und dachte, wunder wie schlau ich nun bin. Ich habe Dich kurz vor der Fütterung von der Koppel geholt. Das hast Du mit einem heftigen Tritt quittiert.
Ich wusste so gut wie nichts über Pferde. Aber ich hatte die besten Lehrmeister - Farasha und Dich. Wir sind unseren Weg gegangen. Als Du ein Fohlen warst, sind wir viel gelaufen. Ich habe Dir Autos gezeigt, Traktoren, Planen, Wippen. Wir waren viel im Wald. Farasha war manchmal auch dabei. Ich erinnere mich an so viele Momente...Der 24.12.2000 - es war kalt, auf Eurer Koppel hatte sich eine große Eisfläche gebildet. In Deiner Neugier bist Du einfach raufgelaufen und - ausgerutscht. Aus eigener Kraft konntest Du nicht aufstehen. Ich hatte Panik, denn Du hast es immer wieder verzweifelt versucht. Wir haben dann ein paar Mädchen geholt. Als wir in Deine Nähe kamen, bist Du ganz ruhig geworden. Wir konnten Dich an den Rand schieben und so drehen, dass Deine Hufe festen Boden fühlen konnten.
Als Du gerade einmal 3 Jahre alt warst, wurde bei Dir, wie auch bei Deinem Bruder, hochgradig Spat diagnostiziert. Vermutlich angeboren, was meinen Schock aber nicht milderte. Vielleicht ist es dem Umstand zu verdanken, dass Du sehr langsam und schonend angeritten worden bist, aber Du warst niemals lahm, zeigtest keine Taktunreinheiten. Ich bin so sehr dankbar dafür.
Als wir Farasha gehen lassen mussten, warst Du bei mir und hast Dich auf Deine Art von ihr verabschiedet..
Ich könnte Seiten über Seiten schreiben... Wir haben eine lange Reisen hinter uns, die noch lange nicht zu Ende ist. Durch Parelli habe ich gelernt, Dich zu verstehen, Dich zu fühlen, zu denken, so wie Du denkst. Das hat uns noch viel mehr zusammengeschweißt.
Ich habe so vieles gelernt, aber Deine Aufrichtigkeit, Deine innere Ruhe, Dein fast grenzenloses Vertrauen machen mich so sehr dankbar. Ich freue mich auf unseren mehrtägigen Ritt in der nächsten Woche, ich freue mich darauf, mehr als 4 Tage mit Dir zu verbringen, auf Reisen zu gehen, mit Dir zu schwimmen und eine unbeschwerte und schöne Zeit zu haben. Ich freue mich auf all die Jahre, die jetzt noch kommen. Ich bin so stolz auf Dich!
Herzlichen Glückwunsch, mein Kleiner.
Mittwoch, 9. März 2011
Die Principle Games
Spiel Nr. 4 - das Jojo-Game
Bei diesem Spiel soll das Pferd lernen, auf einen leichten Impuls am Seil rückwärts zu gehen. Auf Deine Aufforderung hin sollte das Pferd wieder zu Dir kommen, wenn Du es einlädst und dabei das Seil "kämmst".
Auch hier nutzt Du wieder 4 Phasen:
Phase 1: Du bewegst das Seil leicht mit Deinem Finger
Phase 2: Du bewegst das Seil aus Deinem Handgelenk heraus.
Phase 3: Du bewegst das Seil kräftiger aus dem Arm heraus
Phase 4: Du verdoppelst etwa Phase 3 und bewegst das Seil aus dem Schultergelenk heraus.
Beginne zunächst langsam und auf ebenem Boden. Wenn Ihr Fortschritt macht, beginne auf unebenem Boden, frage für ein schnelleres Rückwärts, frage für rückwärts über Stangen, frage für eine längere Distanz etc. Sei phantasievoll.
Das Jojo-Game lehrt Dein Pferd, Dich nicht zu überrennen. Es unterstützt Aufrichtung und das sich selbständige Tragen des Pferdes in seinen Bewegungen. Es ist auch für vorwärts stürmende Pferde sehr hilfreich unter unterstützt das "Stop".
Strategien: Geradlinigkeit, Phantasie, 4 Phasen
Spiel Nr. 5 - das Circling Game
Verwechsele dieses Spiel nicht mit dem Longieren! Beim Longieren schicken wir das Pferd Runde um Runde auf einen Zirkel, ohne dem Pferd eine konkrete Aufgabe, ein konkretes Ziel zu geben. Das Circling Game hingegen stimuliert das Pferd mental, emotional und physisch und lehrt es, in Kontakt mit Dir zu bleiben. Drei Faktoren sind bei diesem Spiel wichtig: das Senden, das Erlauben, das Zurückholen. Wenn Du Dein Pferd auf den Zirkel geschickt hast, entspanne Dich und "lass es alleine". Während Dein Pferd um Dich herumgeht, kannst Du jeweils das Seil von der einen in die andere Hand nehmen. Du gibst dem Pferd somit die Gelegenheit, seine Verantwortungen selbständig beizubehalten. Mache nicht den Fehler und treibe Dein Pferd an, wenn es in der gewünschten Gangart ist. Frage für minimal 2 Runden und maximal 4 Runden zu Beginn. Das Lösen der Hinterhand ist nun sehr wichtig. Das tust Du, wenn Du Dein Pferd bittest, wieder zu Dir zu kommen. Löse die Hinterhand, benutze ggf. den Stick und unterstütze Zone 1. So bittest Du Dein Pferd, aus dem Zirkel wieder zu Dir zu kommen.
Strategien: Senden, Erlauben, Zurückholen - vier Phasen - Verantwortlichkeiten für das Pferd
Spiel Nr. 6 - das Sideways Game
Dieses Spiel lehrt Dein Pferd, mit Leichtigkeit sowohl nach rechts auch als nach links seitwärts zu gehen. Dein Pferd lehren, athletisch seitwärts zu gehen, ist aus vielerlei Gründen wichtig: zur Entwicklung/Verbesserung der Aufrichtung, für Galoppwechsel und Spins, für das Lenken der Energien vorwärts stürmender Pferde auf einen bestimmten Fokus. Beginne langsam! Benutze zu Beginn einen Zaun oder eine Wand, um Vorwärtsbewegungen zu blocken.
Strategien: langes Seil, Driving Game in Zone 1 und Zone 4
Spiel Nr. 7: das Squeeze Game
Pferde sind von Natur aus klaustrophobisch. Sie haben Angst wenn es beengt oder schmal ist. Das ist ein Desaster für Fluchttiere! Das Squeeze Game lehrt Dein Pferd, mutiger und vertrauensvoller zu werden, und ohne Bedenken durch Engpässe hindurch zu gehen. Starte zunächst mit einem "großen" Engpass, zu Beginn vielleicht zwischen Dir und einem Zaun bzw. einer Wand. Je vertrauensvoller Dein Pferd wird, desto schmaler kannst Du den Engpass machen. Auch hier sind Deiner Phantasie keine Grenzen gesetzt. Du kannst das Squeeze Game zwischen Bäumen, zwischen Fässern oder anderen Gegenständen spielen. Es ist übrigens eine hervorragende Vorbereitung für das Hängerverladen.
Bei diesem Spiel soll das Pferd lernen, auf einen leichten Impuls am Seil rückwärts zu gehen. Auf Deine Aufforderung hin sollte das Pferd wieder zu Dir kommen, wenn Du es einlädst und dabei das Seil "kämmst".
Auch hier nutzt Du wieder 4 Phasen:
Phase 1: Du bewegst das Seil leicht mit Deinem Finger
Phase 2: Du bewegst das Seil aus Deinem Handgelenk heraus.
Phase 3: Du bewegst das Seil kräftiger aus dem Arm heraus
Phase 4: Du verdoppelst etwa Phase 3 und bewegst das Seil aus dem Schultergelenk heraus.
Beginne zunächst langsam und auf ebenem Boden. Wenn Ihr Fortschritt macht, beginne auf unebenem Boden, frage für ein schnelleres Rückwärts, frage für rückwärts über Stangen, frage für eine längere Distanz etc. Sei phantasievoll.
Das Jojo-Game lehrt Dein Pferd, Dich nicht zu überrennen. Es unterstützt Aufrichtung und das sich selbständige Tragen des Pferdes in seinen Bewegungen. Es ist auch für vorwärts stürmende Pferde sehr hilfreich unter unterstützt das "Stop".
Strategien: Geradlinigkeit, Phantasie, 4 Phasen
Spiel Nr. 5 - das Circling Game
Verwechsele dieses Spiel nicht mit dem Longieren! Beim Longieren schicken wir das Pferd Runde um Runde auf einen Zirkel, ohne dem Pferd eine konkrete Aufgabe, ein konkretes Ziel zu geben. Das Circling Game hingegen stimuliert das Pferd mental, emotional und physisch und lehrt es, in Kontakt mit Dir zu bleiben. Drei Faktoren sind bei diesem Spiel wichtig: das Senden, das Erlauben, das Zurückholen. Wenn Du Dein Pferd auf den Zirkel geschickt hast, entspanne Dich und "lass es alleine". Während Dein Pferd um Dich herumgeht, kannst Du jeweils das Seil von der einen in die andere Hand nehmen. Du gibst dem Pferd somit die Gelegenheit, seine Verantwortungen selbständig beizubehalten. Mache nicht den Fehler und treibe Dein Pferd an, wenn es in der gewünschten Gangart ist. Frage für minimal 2 Runden und maximal 4 Runden zu Beginn. Das Lösen der Hinterhand ist nun sehr wichtig. Das tust Du, wenn Du Dein Pferd bittest, wieder zu Dir zu kommen. Löse die Hinterhand, benutze ggf. den Stick und unterstütze Zone 1. So bittest Du Dein Pferd, aus dem Zirkel wieder zu Dir zu kommen.
Strategien: Senden, Erlauben, Zurückholen - vier Phasen - Verantwortlichkeiten für das Pferd
Spiel Nr. 6 - das Sideways Game
Dieses Spiel lehrt Dein Pferd, mit Leichtigkeit sowohl nach rechts auch als nach links seitwärts zu gehen. Dein Pferd lehren, athletisch seitwärts zu gehen, ist aus vielerlei Gründen wichtig: zur Entwicklung/Verbesserung der Aufrichtung, für Galoppwechsel und Spins, für das Lenken der Energien vorwärts stürmender Pferde auf einen bestimmten Fokus. Beginne langsam! Benutze zu Beginn einen Zaun oder eine Wand, um Vorwärtsbewegungen zu blocken.
Strategien: langes Seil, Driving Game in Zone 1 und Zone 4
Spiel Nr. 7: das Squeeze Game
Pferde sind von Natur aus klaustrophobisch. Sie haben Angst wenn es beengt oder schmal ist. Das ist ein Desaster für Fluchttiere! Das Squeeze Game lehrt Dein Pferd, mutiger und vertrauensvoller zu werden, und ohne Bedenken durch Engpässe hindurch zu gehen. Starte zunächst mit einem "großen" Engpass, zu Beginn vielleicht zwischen Dir und einem Zaun bzw. einer Wand. Je vertrauensvoller Dein Pferd wird, desto schmaler kannst Du den Engpass machen. Auch hier sind Deiner Phantasie keine Grenzen gesetzt. Du kannst das Squeeze Game zwischen Bäumen, zwischen Fässern oder anderen Gegenständen spielen. Es ist übrigens eine hervorragende Vorbereitung für das Hängerverladen.
Freitag, 25. Februar 2011
Einschränkende Glaubenenssätze schränken ein
Jeder von uns kennt sie, sie begleiten uns durch unser Leben, entstanden durch Muster, Erfahrungen, Antizipationen - die einschränkenden Glaubenssätze. Und natürlich bleiben sie auch im Umgang mit unseren Pferden nicht aus:
- Mein Pferd geht eh nicht in den Hänger!
- Mein Pferd hat Angst vor Wasser!
- Ich füttere nicht aus der Hand, weil mein Pferd sonst immer bettelt!
- Mein Pferd mag nicht hinten/vorne/links/rechts gehen!
- und, und, und....
Diese Beispiele ließen sich endlos weiter auflisten. Aber sind es vielleicht nicht gerade unsere einschränkenden Glaubenssätze, die es uns manchmal so schwer machen? Was wäre, wenn wir ohne Erwartungen, ohne Druck, ohne "ich weiß schon, was passiert" herangehen würden? Pferde sind wahre Meister im Lesen unserer Körpersprache. Wir können sie nicht anlügen, ihnen etwas vormachen. Und einschränkende Glaubenssätze spiegeln sich immer in der Körpersprache wieder.
Wenn Ihr das nächste Mal bei Eurem Pferd seid, möchte ich Euch ermutigen, einen für Euch typischen einschränkenden Glaubenssatz aufzugeben. Das ist nicht ganz einfach, weil er sich meist schon im Kopf manifestestiert hat. Um es aber doch zu schaffen, gibt es meiner Meinung nach 3 Wege:
1. Antizipiert nicht!
2. Erwartet nicht!
3. Seid neugierig, was passieren wird! Beobachtet!
Erklären möchte ich es Euch am Beispiel "Hängerverladen". Macht einfach ein Spiel daraus! Stellt einen Pferdehänger hin, vielleicht könnt Ihr etwas hineintun, das die Neugier Eures Pferdes weckt, ein paar Möhren, einen Futtereimer.... Stellt Euch mit Eurem Pferd neben den Hänger, so, als ob Ihr das Pferd zum Einsteigen auffordert.
1. Antizipiert nicht, dass das Pferd nicht in den Hänger geht!
2. Erwartet nicht, dass das Pferd in den Hänger geht!
3. Seid neugierig, was passieren wird!
Wenn wir unserer Erwartugen und damit den Druck rausnehmen, spüren das unsere Pferde. Pferde sind von Natur aus sehr neugierig und das wird sich schon bald einstellen. Vielleicht setzen sie nur einen Fuß auf die Rampe, vielleicht riechen sie an der Rampe, vielleicht gehen sie einen oder mehrere Schritte hinauf.
Ich habe mit Asmar diese Erfahrung gemacht. Der fliegende Galoppwechsel am Boden an den langen Seilen von links nach rechts war immer wieder ein Thema. Ich habe lange überlegt und natürlich gemerkt, dass, wenn ich ihn fragte, mein Gedanke war "naja, von links nach rechts klappt es eh nicht". Gestern habe ich es gar nicht mehr erwartet, habe nicht darüber nachgedacht. Die Erwartungen und den Druck rausgelassen. Als er im Linksgalopp war habe ich nur nach einem Richtungswechsel gefragt und er hat mir den schönsten fliegenden Galoppwechsel geschenkt...
- Mein Pferd geht eh nicht in den Hänger!
- Mein Pferd hat Angst vor Wasser!
- Ich füttere nicht aus der Hand, weil mein Pferd sonst immer bettelt!
- Mein Pferd mag nicht hinten/vorne/links/rechts gehen!
- und, und, und....
Diese Beispiele ließen sich endlos weiter auflisten. Aber sind es vielleicht nicht gerade unsere einschränkenden Glaubenssätze, die es uns manchmal so schwer machen? Was wäre, wenn wir ohne Erwartungen, ohne Druck, ohne "ich weiß schon, was passiert" herangehen würden? Pferde sind wahre Meister im Lesen unserer Körpersprache. Wir können sie nicht anlügen, ihnen etwas vormachen. Und einschränkende Glaubenssätze spiegeln sich immer in der Körpersprache wieder.
Wenn Ihr das nächste Mal bei Eurem Pferd seid, möchte ich Euch ermutigen, einen für Euch typischen einschränkenden Glaubenssatz aufzugeben. Das ist nicht ganz einfach, weil er sich meist schon im Kopf manifestestiert hat. Um es aber doch zu schaffen, gibt es meiner Meinung nach 3 Wege:
1. Antizipiert nicht!
2. Erwartet nicht!
3. Seid neugierig, was passieren wird! Beobachtet!
Erklären möchte ich es Euch am Beispiel "Hängerverladen". Macht einfach ein Spiel daraus! Stellt einen Pferdehänger hin, vielleicht könnt Ihr etwas hineintun, das die Neugier Eures Pferdes weckt, ein paar Möhren, einen Futtereimer.... Stellt Euch mit Eurem Pferd neben den Hänger, so, als ob Ihr das Pferd zum Einsteigen auffordert.
1. Antizipiert nicht, dass das Pferd nicht in den Hänger geht!
2. Erwartet nicht, dass das Pferd in den Hänger geht!
3. Seid neugierig, was passieren wird!
Wenn wir unserer Erwartugen und damit den Druck rausnehmen, spüren das unsere Pferde. Pferde sind von Natur aus sehr neugierig und das wird sich schon bald einstellen. Vielleicht setzen sie nur einen Fuß auf die Rampe, vielleicht riechen sie an der Rampe, vielleicht gehen sie einen oder mehrere Schritte hinauf.
Ich habe mit Asmar diese Erfahrung gemacht. Der fliegende Galoppwechsel am Boden an den langen Seilen von links nach rechts war immer wieder ein Thema. Ich habe lange überlegt und natürlich gemerkt, dass, wenn ich ihn fragte, mein Gedanke war "naja, von links nach rechts klappt es eh nicht". Gestern habe ich es gar nicht mehr erwartet, habe nicht darüber nachgedacht. Die Erwartungen und den Druck rausgelassen. Als er im Linksgalopp war habe ich nur nach einem Richtungswechsel gefragt und er hat mir den schönsten fliegenden Galoppwechsel geschenkt...
Mittwoch, 23. Februar 2011
True Unity - Tom Dorrance
In den Staaten habe ich das große Glück gehabt, eine Mitbewohnerin zu haben, die sowohl bei den Legenden Ray Hunt als auch bei Tom Dorrance vor Jahren verschiedene Kurse besuchte. Während unserer Zeit in Florida habe ich die Gelegenheit bekommen, in ihrer Bibliothek zu stöbern. Fasziniert hat mich sofort der Titel und als ich das fast kleine Büchlein in die Hand genommen habe, konne ich es nicht mehr weglegen. Dieses Buch ist Inspiration, Liebe, Leidenschaft - nicht nur für Pferde. Bestellen könnt Ihr es bei Amazon, es ist leider nur auf englisch verfügbar.
Tom Dorrance hat sich lange geweigert, ein Buch zu schreiben. Er hatte Angst, dass das geschriebene Wort die Botschaft seines Herzens nicht transportieren könnte. Eine Schweizer Freundin von ihm hat ihn darum gebeten, damit ihre Tochter noch seine Mission lernen und nachlesen könne. Diesem Wunsch ist Tom nachgekommen. Die Frage nach der Übersetzung ins Deutsche lehnte er bis zu seinem Tode ab. Er sagte, dass eine Übersetzung schon gar nicht ausdrücken könne, was er fühle...
Nachfolgend ein kleiner Auszug aus einem Kapitel: Die Übersetzung ist natürlich nicht ganz perfekt! Es ist die Beschreibung eines seiner Schüler über seinen Lehrmeister, den er sehr verehrt hat.
"Ich möchte an dem Punkt beginnen, an dem ich begann, mit Tom zu starten, nämlich 14 Jahre zuvor, als ich das erste Mal mit Tom arbeitete. Ich war bereits einige Monate hier und wir haben etwas an einer Decke repariert. Tom stand auf einer niedrigen Leiter und brauchte einen Hammer. Ich stand unten und habe die Leiter gehalten und offensichtlich war es für mich ein viel leichteres, den Hammer zu holen. Tom sagte dann: "Wenn ich einen Hammer hätte, könnte ich das hier annageln." Ich bin gleich losgelaufen, doch auf dem Weg hielt ich einen Moment inne: Warum hat er nicht gesagt "Könntest Du bitte gehen und mir einen Hammer holen?" Was ich auf einmal verstand ist - er hat es zu meiner ganz eigenen Idee gemacht. Wie ein kleiner Welpe nach einem Stöckchen bin ich gerannt und habe den Hammer geholt. Denn ich wusste ja, was zu tun war. Es war das erste Mal, dass ich anfing, zu begreifen. Das war die Art, die Tom an sich hatte...."
Tom Dorrance muss ein ganz besonderer Mensch gewesen sein... und ich möchte Euch dieses Buch wärmstens ans Herz legen.
Tom Dorrance hat sich lange geweigert, ein Buch zu schreiben. Er hatte Angst, dass das geschriebene Wort die Botschaft seines Herzens nicht transportieren könnte. Eine Schweizer Freundin von ihm hat ihn darum gebeten, damit ihre Tochter noch seine Mission lernen und nachlesen könne. Diesem Wunsch ist Tom nachgekommen. Die Frage nach der Übersetzung ins Deutsche lehnte er bis zu seinem Tode ab. Er sagte, dass eine Übersetzung schon gar nicht ausdrücken könne, was er fühle...
Nachfolgend ein kleiner Auszug aus einem Kapitel: Die Übersetzung ist natürlich nicht ganz perfekt! Es ist die Beschreibung eines seiner Schüler über seinen Lehrmeister, den er sehr verehrt hat.
"Ich möchte an dem Punkt beginnen, an dem ich begann, mit Tom zu starten, nämlich 14 Jahre zuvor, als ich das erste Mal mit Tom arbeitete. Ich war bereits einige Monate hier und wir haben etwas an einer Decke repariert. Tom stand auf einer niedrigen Leiter und brauchte einen Hammer. Ich stand unten und habe die Leiter gehalten und offensichtlich war es für mich ein viel leichteres, den Hammer zu holen. Tom sagte dann: "Wenn ich einen Hammer hätte, könnte ich das hier annageln." Ich bin gleich losgelaufen, doch auf dem Weg hielt ich einen Moment inne: Warum hat er nicht gesagt "Könntest Du bitte gehen und mir einen Hammer holen?" Was ich auf einmal verstand ist - er hat es zu meiner ganz eigenen Idee gemacht. Wie ein kleiner Welpe nach einem Stöckchen bin ich gerannt und habe den Hammer geholt. Denn ich wusste ja, was zu tun war. Es war das erste Mal, dass ich anfing, zu begreifen. Das war die Art, die Tom an sich hatte...."
Tom Dorrance muss ein ganz besonderer Mensch gewesen sein... und ich möchte Euch dieses Buch wärmstens ans Herz legen.
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